23.09.2010

Der Euro ist zurück

Die europäische Gemeinschaftswährung feiert ein triumphales Comeback: Der Euro ist zurück – und ein Ende seines Aufschwungs nicht in Sicht. Ein Fall aus der Rubrik „Totgesagte leben länger“.

Es ist erst gut vier Monate her, dass der Euro auf ein Niveau von 1,18 Dollar gefallen war und viele Experten einen Rutsch in Richtung 1,10 Euro, wenn nicht gar zur Parität vorhersagten. Sparer bangten um den Wert ihres Geldes, vielerorts war die Forderung nach einer Rückkehr zur D-Mark zu hören. Am Mittwoch näherte sich die Gemeinschaftswährung in Riesenschritten der Marke von 1,34 Dollar und nicht wenige Experten erwarten, dass im kommenden Jahr wieder die 1,40 Dollar geknackt werden.

Dass es tatsächlich soweit kommt, dafür gibt es gute Gründe. Ausschlaggebend ist sicherlich, dass die Finanzprobleme von Griechenland mittlerweile als isoliertes Problem betrachtet werden. Eine Ausdehnung in andere ebenfalls klamme Euro-Länder ist im Moment eher unwahrscheinlich. Das bewies auch die überraschend gute Aufnahme neuer Staatstitel aus Irland, Portugal und Italien in dieser Woche.

Hinzu kommt nicht erst seit den kritischen Worten der US-Notenbank vom Dienstagabend die Einschätzung, dass das Wachstum außerhalb der USA künftig stärker ausfallen wird als dort. Den Dollar dann noch als sicheren Hafen zu suchen, wie dies noch vor einigen Monaten zu beobachten war, wäre also sicherlich die falsche Entscheidung. Zumal die Wachstums- aussichten speziell in Europa massiv angestiegen sind, wobei Deutschland als Vorreiter dieser Entwicklung gelten darf.

Der Dollar ist längst nicht mehr der Liebling der Notenbanken

Hinzu kommt, dass viele große Notenbanken schon seit einiger Zeit versuchen, ihre Devisen- reserven etwas weniger einseitig aufzuteilen als noch vor wenigen Jahren. Damals war der Dollar sehr dominant. Das ist er zwar immer noch, jedoch ist das Umdenken beispielsweise in China spätestens seit der Finanzkrise deutlich spürbar. Der Euro ist bei diesem Umschichtungs- prozess zwar nicht erste Wahl, der Yen und besonders der Franken genießen eine weit höheres Ansehen. Weil der Euro aber im Vergleich dazu deutlich liquider ist, hat er in diesem Wettbewerb einen entscheidenden Trumpf in der Hand.

Auch das Verhalten der beiden Zentralbanken im Euroraum und in den USA hat zuletzt dazu geführt, dass die Europäer bei den Investoren deutlich besser gelitten waren. Der Mix aus selbst auferlegter Sparsamkeit und der indirekten Unterstützung in der Schuldenkrise durch die EZB kam besser an als der US-Politikmix aus aggressiven steuerlichen und geldpolitischen Erleichterungen.

All das wird den Euro in Zukunft weiter antreiben. Absehbar ist indes schon jetzt, dass bald die ersten Unternehmen jammern werden, wie sehr doch ein starker Euro die exportlastige deutsche Wirtschaft belastet.

Quelle: Handelsblatt

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