Die Krux mit dem Gefühl
Immer mehr Abgaben, immer weniger im Portemonnaie? Stimmt gar nicht! Arbeitnehmer zahlen weniger Steuern als vor zehn Jahren.
Wenn die Bundesbürger über ihre Steuer- und Abgabenlast reden, jammern sie gerne. "Der Fiskus will immer mehr Geld", lautet eine weit verbreitete Klage. Mit der Realität hat dies jedoch nicht viel zu tun. Zu diesem Schluss kommt zumindest das Bundesfinanzministerium in seinem Monatsbericht für Juni, in dem eine Studie der Industrieländer-Organisation OECD ausgewertet wird. Demnach müssen fast alle Arbeitnehmer-Haushalte in Deutschland weniger Steuern und Sozialabgaben zahlen als vor zehn Jahren.
Nun mögen misstrauische Menschen denken, dass zu so einer Erkenntnis nur das Finanzministerium kommen kann und bekanntlich keiner Statistik zu trauen ist, "die du nicht selbst gefälscht hast". In diesem Fall sind die Fakten aber eindeutig: Seit dem Jahr 2000 gab es immer wieder Steuersenkungen, die die letzten Regierungskoalitionen fortgesetzt haben. So stieg 2010 der Kinderfreibetrag pro Kind und Jahr von 6024 auf 7008 Euro. Das Existenzminimum, das nicht besteuert werden darf, wurde auf 8004 Euro erhöht. Und dank eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts können viele Berufstätige seit Januar einen größeren Teil ihrer Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich absetzen. All dies werde Deutschlands Position innerhalb der OECD "noch weiter verbessern", schreibt das Ministerium.

