Die Liquidität ist die Keimzelle der nächsten großen Blase
In der Krise haben die Notenbanken die Gelddruckmaschine angeworfen und riesige Mengen an Staatsanleihen erworben. Bedenklich ist: Ein Ende des „Beinahe-Null-Zins“ ist nicht absehbar und die Gefahr real, dass dieser riesige Ozean an Liquidität zur Keimzelle der nächsten Blase wird.
Noch immer tun sich zahlreiche Anleger mit der „neuen Normalität“ sehr schwer. Wer hätte nach zwei Dekaden Zinsrückgang etwa vor zwei Jahren geglaubt, dass der Kapital-marktzins weiter in Richtung Null tendieren würde. Eigentlich hatte sich die Welt wegen der gigantischen staatlichen Kapitalnachfrage auf höhere Zinsen eingestellt.
Doch was geschah? Notenbanken hebelten auf Druck der Regierungen die Marktwirtschaft aus und brachten zum wiederholten Mal den Faktor Liquidität ins Spiel. Sie druckten Geld (meist auf virtuelle, also buchhalterische Art) und erwarben riesige Mengen an Staatsanleihen. So verliehen sie dem Bullenmarkt bei Bonds neue Nahrung.
Bedenklich ist: Ein Ende dieses künstlich verstärkten Zinssenkungstrends ist nicht absehbar. Die stark in ihrer Unabhängigkeit eingeschränkten Notenbanken sind unglaubwürdig, weil sie beim Thema Exit-Strategie zu vage sind. Eine Wende in der „Geldpolitik der Üppigkeit“ ist nur schwer vorstellbar. Im Gegenteil: Die Finanzmärkte dürften wegen konjunktureller Unwägbarkeiten nach dem Auslaufen staatlicher Hilfen weiter mit Liquidität überschwemmt werden. Die Banken dürften zudem die Gelegenheit, sich zum „Beinahe-Null-Zins“ zu refinanzieren, reichlich nutzen.
Quelle: Handelsblatt

