21.07.2010

Investoren geben Krisenländern reichlich Kredit

Griechenland, Spanien und Irland haben gestern mit neuen Zinspapieren gepunktet. Probleme gab es abseits der Euro-Zone, und zwar in Ungarn: der Binnenstaat konnte nicht so viele Forint-Anleihen begeben wie geplant.

Versteigerungen staatlicher Zinspapiere am Geldmarkt stehen normalerweise bei Investoren nicht im Fokus. Es geht um Laufzeiten von nur drei bis 18 Monaten mit überschaubaren Risiken. In der aktuelle Krise ist das anders. Gestern sorgte für Erleichterung, dass das von Hilfskrediten abhängige Griechenland kurzfristig Geld am Markt bekam.

Daneben zapfte mit Spanien ein Land den Geldmarkt an, von dem Investoren vor gut einem Monat noch Hilfsgesuche befürchtet hatten. Zudem stockte am stärker beachteten Anleihemarkt für länger laufende Zinspapiere das ebenfalls krisengeschüttelte Irland zwei Anleihen auf. Insgesamt sammelten die drei Länder 9,5 Mrd. Euro ein.

Die Erleichterung darüber zeigte sich auch im Handel mit Anleihen, wo die Risikoprämien der Euro-Randländer erneut leicht sanken. Sie liegen inzwischen deutlich unter den Ständen von Anfang Mai, also dem Zeitpunkt bevor die Euro-Länder und der IWF ihr 750 Mrd. Euro schweres Paket mit möglichen Hilfskrediten schnürten.

Schon vor dem allgemeinen Rettungsschirm hatten die Euro-Länder und der IWF im Mai ein Kreditpaket über 110 Mrd. Euro für Griechenland geschnürt. Das gilt streng genommen nur für die Refinanzierung von Anleihen und nicht für die von Geldmarktpapieren. Im Juli werden griechische Geldmarktpapiere über insgesamt 4,35 Mrd. Euro fällig. Diese hat sich Athen bald gesichert. Die gestrige Auktion von 13-Wochen-Papieren war mit 1,95 Mrd. Euro größer als erwartet und kann auf 2,4 Mrd. Euro aufgestockt werden. Vergangene Woche hatte Athen 26-Wochen-Papiere über insgesamt 2,025 Mrd. Euro begeben. Die Renditen lagen zwar jeweils über denen bei vorherigen Auktionen, aber unter den Händler-Prognosen.

Spanien, das zuletzt viele Anleihen begeben hat, kam mit Geldmarktpapieren über fast sechs Mrd. Euro günstiger weg als im Juni. Ähnlich sah es in Irland bei der Aufstockung einer sechsjährigen Anleihe aus. Anleger störte nicht, dass Moody?s das Rating der Iren diese Woche auf "Aa2" gesenkt hat. Standard & Poor?s bewertet Irland schon seit über einem Jahr mit der entsprechenden Note "AA", und Fitch seit November noch eine Stufe schlechter. Die Iren stockten zudem die zehnjährigen Anleihe auf. Die letzte Aufstockung dieser Anleihe gab es im April - damals war das Zinsniveau noch niedriger.

So teuer wie zuletzt im März war es für Ungarn, dreimonatige Papiere zu versteigern. Dies hatten Händler erwartet, weil Ungarn gerade Gespräche mit dem IWF und der EU über Sparmaßnahmen abgebrochen hat und deshalb zunächst keine Kredite mehr aus einem vor zwei Jahren vereinbarten Hilfspaket bekommt. Die Regierung in Budapest begab nur Papiere über 35 Mrd. Forint (121 Mio. Euro) und damit zehn Mrd. Forint weniger als angekündigt. Laut Analysten bringt diese kleine Lücke Ungarn aber nicht in Schwierigkeiten.

Ungarn und enttäuschende Quartalszahlen der US-Bank Goldman Sachs machten Investoren am Devisenmarkt wieder risikoscheuer. Der Euro fiel um bis zu anderthalb Cent auf zeitweise 1,2840 Dollar.

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