Lebensversicherungen in der Krise – Absturz eines Lieblings
Kaum eine Geldanlage war bei den Deutschen so begehrt wie die Lebensversicherung. Doch nun zweifelt ein Anbieter wie der Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard an dieser Form der Altersvorsorge, und viele Verbraucher kündigen ihre Verträge. Was ist passiert?
Es erscheint widersinnig: Da gibt es zwei Meldungen an einem Tag, die nicht zusammen passen. Nachricht Nummer eins: Die Bundesregierung befürchtet eine drastische Zunahme der Altersarmut und will deswegen eine Kommission einsetzen. Mitteilung Nummer zwei: Der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, zweifelt am Produkt der Lebensversicherungen aus Anbietersicht. Ökonomisch betrachtet sei dieses Segment nicht sehr ertragreich, sagte Nikolaus von Bomhard der Financial Times Deutschland.
Deshalb halte er es auch nicht für problematisch, dass die Tochtergesellschaft Ergo in diesem Bereich Marktanteile verliere. Von Bomhard deutete an, dass sich die Schwer- punkte bei Ergo langfristig verschieben könnten. Weil die Ertragskraft der Lebens- versicherungssparte problematisch sei, "muss man sich sehr genau überlegen, wo man wächst".
Lebensversicherungen sind eine der wichtigsten Stützen der Altersvorsorge in Deutschland. Es gibt kaum einen Deutschen, der nicht mindestens eine Police besäße: Etwa 91 Millionen Verträge gibt es hierzulande.
Allerdings sind die Zweifel an diesem Instrument gegen Altersarmut nicht nur bei Anbietern wie dem Munich-Re-Chef gewachsen, auch bei der Kundschaft hat die Lebens- versicherung an Attraktivität verloren: Immer weniger neue Verträge werden abgeschlossen, immer mehr alte frühzeitig gekündigt. Die Stornoquote lag im vergangenen Jahr bei 6,17 Prozent - so hoch wie nie zuvor. Was ist geschehen?
Quelle: Süddeutsche Zeitung

