„Noch viele Risiken im System“
So lange die Verschuldung in der Wirtschaft nicht sinkt, bleiben viele Unsicherheiten für die Märkte. Das meint Ian Spreadbury, der seit zehn Jahren einen milliardenschweren Fonds für hochverzinsliche Anleihen von Unternehmen bei Fidelity managt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum er für die auch Junk-Bonds genannten Anleihen von Unternehmen mit schwächerer Bonität trotzdem noch Chancen sieht.
Her Spreadbury, im zweiten Quartal sind die Kurse von hochverzinslichen Unternehmensanleihen zum ersten Mal seit Ende 2008 auf breiterer Front wieder etwas unter Druck gekommen und die Renditen gestiegen. Kippt der Markt?
Nein, ganz sicher nicht. Aber das Umfeld ist schwieriger geworden, und mit Kursschwankungen müssen wir auch künftig wieder stärker rechnen. Das liegt an der Wirtschaft: Der weltweit eingeschlagene Sparkurs wird seinen Tribut beim Wirtschaftswachstum fordern. Das ist auch den Anlegern klar geworden, und deshalb ist der Markt unter Druck gekommen. Schließlich sind schwächere Wirtschaftsaussichten auch ein Problem für die Anleihen von Unternehmen, besonders von denen mit schwächerer Bonität.
Warum?
Bei schwächerem Wirtschaftswachstum bleiben die Zahlungsausfälle - sprich die Unternehmensinsolvenzen - hoch. Und um das zu kompensieren, müssen die Kurse fallen und im Gegenzug die Renditen und Risikoaufschläge wieder steigen.
Welche Ausfallquote erwarten Sie?
Ich schätze, dass die Ausfallquoten in den nächsten Jahren im mittleren einstelligen Bereich liegen werden.
Spiegeln die Bewertungen an den Hochzinsmärkten diese Ausfallrisiken jetzt wider?
Im großen und ganzen ja. Mit durchschnittlichen Renditen von acht Prozent halte ich den Markt nach dem jüngsten Renditeanstieg jetzt für fair bewertet.
Viel Potenzial für Kurssteigerungen gibt es aber nicht?
Nicht im breiten Markt. Dafür gibt es noch zu viele Risiken im System. Solange die allgemeine Verschuldung in der Wirtschaft nicht sinkt, bleiben noch viele Unsicherheiten.

