17.11.2010

Prügel für den Retter

Schädlicher Streit statt hilfreicher Einigkeit: Klamme Euro-Länder wie Irland sollten ihre Kritik an Deutschland einstellen. Denn um den Euro zu retten, gibt es keine Alternative zu harten Sparhaushalten.

Es sollte nie mehr so werden, aber jetzt kommt es doch wieder so. Als im Frühjahr eine Pleite Griechenlands drohte, und Banker wochenlang auf den Tod des Euro wetteten, gelobten Europas Politiker Veränderung. Sie wollten verhindern, dass Spekulanten weiter Steuergeld erpressen, um damit ihre Taschen zu füllen. Sie wollten die Währungsunion, die Exporte erleichtert und so viele Arbeitsplätze schafft, für die Zukunft stabilisieren. Vor allem wollten sie zusammenstehen, um Europas Probleme gemeinsam zu lösen. Und was ist mit diesen Vorsätzen? Verloren, vergessen, vorbei.

Wie einst im Frühjahr bietet Euroland wieder ein Bild des Schreckens. Investoren treiben die Kreditkosten der hochverschuldeten Iren auf Rekordniveau. Seit die Währungsunion im Mai einen Rettungsschirm von kaum glaublichen 750 Milliarden Euro für ihre Mitglieder auf- und damit die Lage kurz entspannte, ist die Aufnahme neuer Schulden für Irland doppelt so teuer geworden - das Gegenteil war gewollt. Mit der Regierung in Dublin geraten erneut Portugal, Spanien und Griechenland unter Druck. Und die Politiker? Statt zusammen gegen die Märkte zu stehen, gehen sie aufeinander los wie Hähne im Kampf. Die Regierungen der Schuldenstaaten attackieren ihren Hauptfinanzier Deutschland. Besonders offensiv beim blame game: das am höchsten verschuldete Land. Der Athener Premier Giorgos Papandreou wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, ihre Reformpläne könnten Staaten "den Rücken brechen".

Damit haben Papandreou und Co. schon die erste Lektion aus dem Frühjahr ignoriert. Nichts lieben Spekulanten mehr als Mitglieder einer gemeinsamen Währung, die öffentlich Zwietracht zeigen - das demonstriert Schwäche und eröffnet Gewinnchancen. Um eine neue Eskalation der Eurokrise zu verhindern, müssen die Regierungen nun einig auftreten. Dazu gehört das gemeinsame Bekenntnis zu solidem Wirtschaften, das in Griechenland bisher eben nicht üblich war. Und dazu gehört, den Iren bei Bedarf schnell Geld aus dem Rettungstopf zu geben. Der wurde ja genau für diesen Zweck geschaffen und enthält entgegen landläufiger Meinungen keine Geschenke, sondern verlangt dem Kreditnehmer nennenswerte Zinsen ab.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

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