Staaten saugen sich mit Geld voll
Die Investoren an den Anleihemärkten werden wieder risikofreudiger, und auch die wirtschaftlich schwächeren Euro-Länder können problemlos Geld über neue Anleihen aufnehmen. Gestern zapften Portugal und Italien den Markt mit Anleihen über knapp 1,7 und 6,8 Mrd. Euro an. Das war für die Staaten zwar nicht billig, aber die Renditen, die sie zahlen müssen, liegen unter den Marktrenditen zu den Hochkrisenzeiten.
Der im Mai gespannte 750 Mrd. Euro schwere Rettungsschirm der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für kriselnde Euro-Staaten zeige Wirkung, meinen dazu die Strategen der NordLB. "Die größten Ängste sind abgeflaut", sagt auch David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank. Dennoch sei das Angebot an neuen Staatsanleihen aus den Euro-Randländern immer noch ein ganz zentraler Faktor für die Märkte. Deshalb werde heute die Platzierung einer in 15 Jahren fälligen spanischen Staatsanleihe im Volumen von bis zu drei Mrd. Euro im Fokus stehen. Am Freitag richte sich der Blick auf neue Anleihen aus Italien. In den kommenden Wochen dürfte laut Schnautz der Angebotsdruck aber bedingt durch die Sommerflaute nachlassen.
Im Handel fielen gestern die Kurse der Anleihen aus den südlichen Euro-Ländern leicht und ihre Renditen stiegen. Das ist bei Auktionen nicht ungewöhnlich, weil die Händler bei den Banken in den Depots Platz für die neuen Papiere machen. Bei Staatsanleihe-auktionen machen zunächst nur Banken mit, später verkaufen sie die Bonds an andere Investoren.
Portugal zahlte für seine Anleihen, die in Laufzeiten auf zwei und neun Jahre aufgeteilt waren, Renditen von 3,16 und 5,31 Prozent und damit 1,4 und 0,9 Prozentpunkte mehr als bei ähnlichen Auktionen im April. Im Mai hatten die Renditen für zweijährige und neunjährige Anleihen jedoch bei jeweils mehr als sechs Prozent gelegen. Seit Dienstag stehen portugiesische Anleihen im Handel wieder unter etwas größerem Verkaufsdruck, weil die Ratingagentur Moody?s die Bonität Portugals um zwei Stufen auf "A1" herabgestuft hat. Für Schnautz von der Commerzbank ist vor allem wichtig, dass die Regierung in Lissabon demonstriert hat, dass sie noch Geld aufnehmen kann und das sogar mit langen Laufzeiten. Insgesamt begab Portugal mit den 1,7 Mrd. Euro zudem sogar zehn Prozent mehr auf als angekündigt.

