300.000 Kinder wegen Rückenschmerzen in Behandlung
Zu wenig Bewegung, schwere Ranzen, schlechte Schulmöbel: Bis zu 300.000 Kinder in Deutschland werden schon in frühen Jahren wegen Rückenschmerzen behandelt.
Diese Zahl nannte der Bremer Gesundheitsexperte Gerd Glaeske am Dienstag bei der Vorstellung des Heil- und Hilfsmittelreports der Krankenkasse Barmer GEK. Als Therapie bekamen zuletzt knapp 30 Prozent der Kinder Krankengymnastik, aber 51 Prozent zusätzlich oder ausschließlich Schmerzmittel.
„Da stellt sich die Frage, ob nicht zu viel Medizin bei Kindern angewendet wird“, sagte der Vizechef der Krankenkasse, Rolf-Ulrich Schlenker. Kinder mit unspezifischer Rückenschmerz-Diagnose und Krankengymnastik-Verordnung müssten stutzig machen. „Uns fällt auf, dass es so viele sind“, sagte Schlenker.
Er äußerte die Vermutung, dass „die Ursachen eigentlich häufig im erzieherischen Umfeld“ lägen und zum Beispiel mangelnder Sport über Physiotherapie auf Kosten der Kassen ausgeglichen werde.
Die Ausgaben für Heilmittel - also zum Beispiel Krankengymnastik oder Sprachtherapien- und Hilfsmittel – also alles vom Hörgerät bis zum Stützstrumpf – machen den Kassen insgesamt Kopfzerbrechen. 2009 gaben alle Kassen zusammen rund zehn Milliarden Euro dafür aus. Die Kosten für Heilmittel stiegen dabei um 2,3 Prozent, die für Hilfsmittel sogar um 5,8 Prozent.
Nach Daten der Barmer GEK, die Glaeske im Auftrag der Krankenkasse detailliert auswertete und zum Teil für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung hochrechnete, bekam 2009 insgesamt fast jeder sechste Versicherte physiotherapeutische Behandlung.
Pro Kopf gab die Kasse für Physiotherapie 283 Euro aus, für Ergotherapie sogar 961 Euro. Während die Therapie bei Kindern "häufig zu schnell eingesetzt" werde, gebe es bei Älteren - vor allem bei todkranken Menschen - Nachholbedarf, sagte Glaeske.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt

