Die Deutschen werden älter und kränker
Die Deutschen werden älter. Welche gesundheitlichen Konsequenzen dieser demographische Prozess für Deutschland mit sich bringt, hat das Statistische Bundesamt in am Montag veröffentlichten Modellrechnungen aufgezeigt. Das Ergebnis: Die Zahl der Pfegebedürftigen steigt schneller als erwartet; die Zahl der Krankenhausaufenthalte könnte bis 2030 von heute 17,9 auf 19,3 Millionen Fälle wachsen. Dem Nachfrageboom nach Pflegeplätzen und Krankenbetten steht eine Flaute auf den Wöchnerinnenstationen gegenüber: Die Geburtenrate geht bis 2030 um 20 Prozent zurück.
Durch den absehbaren demographischen Wandel werde die Zahl der Pflegebedürftigen von 2,2 Millionen auf 2,9 Millionen im Jahr 2020 steigen. Zehn Jahre später könnten es 3,4 Millionen sein, 2050 gar 4,5 Millionen. Die Pflegeversicherung hatte sich auf folgende Pflegefallzahlen eingestellt: 2020 rund 2,8 Millionen; 2030 rund 3,2 Millionen; 2050 rund 4,3 Millionen. Die Zahl der Achtzigjährigen und Älteren werde bis 2030 von heute 4,1 auf voraussichtlich 6,4 Millionen wachsen. Im Jahr 2050 könnte die Generation 80 plus 10,2 Millionen Personen umfassen. Die Zahl der Pflegebedürftigen in dieser Gruppe dürfte um 1 Million auf 2,2 Millionen im Jahr 2030 zunehmen (2050 rund 3,5 Millionen).
Die veränderte Altersstruktur werde bei sinkender Bevölkerungszahl zu einem höheren Anteil älterer Pflegebedürftiger führen: Waren 2007 etwa 54 Prozent aller Pflegebedürftigen 80 Jahre und älter, können es im Jahr 2030 rund 65 Prozent sein. Die Statistiker unterstellen dabei, dass die altersspezifischen Pflegequoten sich nicht verändern. Träte das Pflegerisiko entsprechend steigender Lebenserwartung später ein, wäre der Anstieg weniger dramatisch: auf 3,0 Millionen im Jahr 2030 und 3,8 Millionen im Jahr 2050.
Die Alterung der Gesellschaft - der Anteil der über Sechzigjährigen steigt bis 2030 von heute 25,9 Prozent auf 36,8 Prozent - hat auch Folgen für die Gesundheitsversorgung. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen steigt nach den Berechnungen um 8 Prozent auf 19,3 Millionen im Jahr. Heutige Verhältnisse hochgerechnet, werde die Zahl der Patienten, die älter sind als 60 Jahre, von 49 Prozent auf 62 Prozent steigen. Dabei nimmt das Risiko einer Krankenhausbehandlung für Männer stark zu: 9,4 Millionen Einweisungen im Jahre 2030 erwarten die Statistiker statt 8,4 Millionen im Jahre 2008. Grund sei eine Kombination aus geschlechtsspezifischem Krankheitsrisiko und demographischer Entwicklung. Auch bei den Frauen steigt die Zahl der Klinikeinweisungen demnach: auf 9,9 Millionen im Jahr 2030 nach 9,5 Millionen im Jahr 2008. Diese Entwicklungen sollten in der Krankenhaus- und Kapazitätsplanung berücksichtigt werden.
Stark zunehmen dürften Krankenhausaufenthalte wegen typischen altersbedingten Krankheiten. So rechnen die Statistiker bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einer Zunahme von 26 Prozent, bei Krebserkrankungen von 17 Prozent bis 2030.
Quelle: FAZ.NET

