Immer häufiger Sprachtherapie für Vorschulkinder
Immer mehr Kinder unter sieben Jahren benötigen eine Sprachtherapie. Das berichtet die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK). 2009 erhielten rund 15.000 Kinder über diese Krankenkasse eine solche Förderung. Ihre Zahl hat sich damit gegenüber 2008 verdoppelt.
Während für die Vorschulkinder die Verordnungen stiegen, sanken sie bei den älteren Kindern ab sieben Jahren. „Der Erfolg setzt natürlich schneller ein, wenn man früher mit der Therapie beginnt“, sagte Gerhard Kroschke, beratender Kinderarzt der DAK. Spätestens zum Schulbeginn sollten Kinder vernünftig sprechen können. Deshalb sei es am sinnvollsten, eine Behandlung zwischen vier und fünf Jahren zu beginnen.
Die Zahl der über die DAK behandelten Kleinkinder bis drei Jahre stieg in diesem Zeitraum von 90 auf 450. „Sicher sind in dieser Altersgruppe Therapien sinnvoll, wenn Kinder zum Beispiel im Mundbereich operiert wurden und dies das Sprechen lernen erschwert oder sogar verhindert. Im Allgemeinen macht es aber nicht viel Sinn, mit einem sonst gesunden Kleinkind eine Sprachtherapie durchzuführen“, kritisierte Kroschke.
Er plädierte dafür, Kindern genügend Zeit und Möglichkeiten zu geben, um ihre sprachlichen Fähigkeiten selbst auszubauen. Er sieht im Sprachdefizit kleiner Kinder und den steigenden Verordnungen in diesem Alter auch einen Zusammenhang zur Integrationsproblematik. „Kinder, deren Eltern kein Deutsch sprechen, weisen öfter Sprachdefizite auf“, so Kroschke. Eine sprachtherapeutische Behandlung sei hier aber nicht der richtige Ansatz.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt

