Medikamente häufig Grund für Verkehrsunfälle
Nicht wenige Menschen, die im Straßenverkehr verunglücken, stehen unter der Wirkung von Medikamenten, die die Fahrtüchtigkeit herabsetzen können. In PLoS Medicine (2010; 7: e1000366) schätzen Forscher den Anteil der durch Medikamente ausgelösten Unfälle auf mehr als 3 Prozent.
Die Analyse war möglich, weil französische Polizisten bei Unfällen häufig auch die Krankenversicherungsnummer der beteiligten Verkehrsteilnehmer protokollieren. Eine weitere Quelle war eine Datenbank der Polizei zu früheren Unfällen, die ebenfalls Informationen zur Versicherung enthält.
So konnten Ludivine Orriols von der Universität Bordeaux bei mehr als 70.000 Unfallbeteiligten ermitteln, ob ihnen zum Zeitpunkt des Unfalls Medikamente verschrieben worden waren, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können. In Frankreich werden alle Medikamente in vier Gruppen eingeteilt von Level 0 (Kein oder ein vernachlässigendes Risiko) bis zum Level 3 (hohes Risiko).
Diese Daten wurden dann zu der Einschätzung der Polizei über die Verantwortlichkeit für den Unfall in Beziehung gesetzt. Ergebnis: Die Verursacher hatten zu 31 Prozent häufiger Level 2-Medikamente eingenommen als die unschuldig Beteiligten, also beispielsweise Fußgänger oder Beifahrer (Odds Ratio 1,31; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,24-1,40). Level 3-Medikamente waren den Unfallverursachern zu 25 Prozent häufiger verordnet worden (OR 1,25; 1,12-1,40).
Den Berechnungen der Forscher zufolge sind 3,3 Prozent (2,7-3,9 Prozent) aller Unfälle auf die Einnahme von Level 2- oder Level 3-Medikamenten zurückzuführen. Als Level 3 werden vor allem Hypnotika und Sedativa eingestuft.
Den größten Anteil haben Benzodiazepine. Unter dem Einfluss dieser Medikamente sollte niemand am Straßenverkehr teilnehmen. Zum Level 2 zählen Antidiabetika (Insulin und orale Medikamente), zentral wirkende Antihypertonika oder Muskelrelaxanzien sowie Opioide, Parkinson-Medikamente, Antiepileptika, Anxiolytika, Benzodiazepin-Derivate, Antidepressiva, Medikamente zum Alkohol- oder Opioid-Entzug und Antihistaminika. Diese Patienten dürfen sich nach den in Frankreich geltenden Regeln nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt am Straßenverkehr beteiligen.
Die in Frankreich, Belgien und Spanien eingeführte Unterteilung hat gute Chancen europaweit zur Norm zu werden, nachdem sich das DRUID-Projekt (Driving Under the Influence of Drugs, alcohol and medicines) und der International Council on Alcohol, Drugs and Traffic Safety (ICADTS) sich dafür ausgesprochen hat. Vorgesehen ist, dass alle Medikamentenverpackungen mit Piktogrammen versehen werden, die den Patienten die Einteilung mitteilen.
Am 15. November ist der World Day of Remembrance for Road Traffic Victims, den die Weltgesundheitsorganisation auf den 3. Sonntag im November festgelegt hat.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt

