Pakistan: Unter Flutopfern breiten sich Krankheiten aus
sDurch das verunreinigte Wasser nach der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan kommt es zu immer mehr Erkrankungen. Der Arzt Mahmood Jan, der in einer mobilen Klinik im Nordwesten Pakistans Flutopfer betreut, berichtet von vielen Krankheiten, die seiner Ansicht nach unter den zahllosen Flutopfern, die in Notunterkünften leben, epidemisch geworden sind.
Dazu zählt er Durchfallerkrankungen, Hautkrankheiten und Augeninfektionen. Weil sie durch direkten Kontakt übertragen werden, könnten sie sich in den kommenden Wochen unter den beengten Bedingungen und der mangelnden Hygiene in den Zeltdörfern schnell ausbreiten, warnt der Arzt. Die genaue Zahl der Obdachlosen kennt niemand. Hunderttausende hausen in den 106.000 ausgeteilten Zelten.
Bis zu 8.000 Menschen können nach Angaben von Hilfsorganisationen pro Tag in mobilen Kliniken behandelt werden. Die meisten Krankheiten entstehen wegen mangelnder Hygiene. Die Krankheiten könnten sich schnell ausbreiten, warnt der Mediziner. Sauberes Trinkwasser steht daher ganz oben auf der Dringlichkeitsliste der Hilfsorganisationen.
Mehrere Wasseraufbereitungsanlagen sind bereits im Land. Die meisten Flutopfer müssen dennoch auf Wasserreinigungstabletten zurückgreifen, die jetzt millionenfach auch durch die NATO-Luftbrücke ins Land kommen.
Der Einschätzung des Arztes zufolge sind mehr mobile Einsatzteams dringend notwendig. Es fehle an allen Ecken und Enden, sagt Jan. Den Patienten, die zu ihm kommen, kann er Medikamente verschreiben, die sein Kollege an einem Kleinbus ausgibt. Zwar werden momentan 150.000 Flutopfer mit Medikamenten versorgt, wie viele aber unter- oder noch gänzlich unversorgt sind, weiß niemand.
Wenn es bislang auch schwerwiegende Erkrankungen wie Cholera nur in Einzelfällen gegeben hat, darf die Gefahr nach Ansicht von Jan nicht unterschätzt werden. Viele Flutopfer haben noch nicht genügend zu essen.
Dies schwächt die Abwehrkräfte und lässt besonders Kinder und ältere Menschen anfällig für Krankheiten werden. Deshalb will auch die Diakonie Katastrophenhilfe im Distrikt Nowshera schnell Hygienesets an möglichst viele Flüchtlinge verteilen, damit die Menschen gesund bleiben.
Auch eine Ärztin ist im mobilen Team der Organisation „Human Concern International“. Sie kümmert sich um die weiblichen Flutopfer. Besonders für schwangere Frauen und Babys sei die Situation in den Lagern extrem schwierig und gefährlich, sagt Jan. Überall gebe es Bakterien.
Die Frauen hätten keine Wahl, sie müssten in den Zelten entbinden, bedauert Jan. Ohnehin sind die nahe gelegenen Kliniken in Nowshera und Charsadda momentan überfordert. Sie wurden selbst von den Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen. „Sie arbeiten nicht mit voller Kapazität“, erläutert der Arzt.
Die Spenden für die betroffenen Flutgebiete fließen inzwischen in ausreichendem Maße. Bislang gingen auf dem zentralen Spendenkonto der „Aktion Deutschland Hilft“ rund 16 Millionen Euro ein. Während bis zu sechs Millionen Pakistaner vermutlich längerfristig auf Überlebenshilfe angewiesen sein werden, geben die Vereinten Nationen die Zahl der Todesopfer in Pakistan bereits mit 1.497 an. © ddp/aerzteblatt.de
Quelle: Deutsches Ärzteblatt

